Vor dem Druck: Die Checkliste für Großflächen-Motive
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Ein Fehler im Plakatmotiv kostet am Bildschirm einen Klick. Nach dem Druck kostet er eine Dekade. Dann hängt das Motiv zehn oder elf Tage lang an der Straße, mit dem Preis auf der Klebekante oder einem Claim, den aus dem Auto niemand lesen kann.
Die meisten dieser Fehler lassen sich vorher finden. Diese sechs Prüfungen machen wir mit jedem Großflächen-Motiv, bevor die Datei die Agentur verlässt. Keine davon dauert länger als eine halbe Minute.
1. Stimmt die Datei, die die Druckerei erwartet?
Eine Großfläche (18/1) misst 356 cm × 252 cm. Gebaut wird die Druckdatei aber fast nie in Originalgröße, sondern in einem kleineren Maßstab, den die Druckerei hochskaliert. Der Buchungsdienst crossvertise verlangt zum Beispiel eine Motivgröße von 600 mm × 426 mm mit mindestens 240 dpi, als PDF/X-3:2002 in CMYK mit dem Farbraum ISO-Coated v2.
Andere Druckereien nennen andere Maße, andere Auflösungen und einen anderen Beschnitt. Das ist kein Widerspruch. Es heißt nur: Es gilt das Datenblatt der Druckerei, die tatsächlich druckt, und nicht die Vorlage aus dem letzten Projekt.
Test in 30 Sekunden: Das PDF öffnen und in den Dokumenteigenschaften Seitengröße und Ausgabebedingung ansehen. Weicht eins davon vom Datenblatt ab, ist die Datei nicht fertig.
2. Liegt etwas Wichtiges auf einer Schnittkante?
Eine Großfläche hängt nicht als ein Stück an der Tafel. Sie wird aus mehreren Teilen geklebt, und wo zwei Teile aneinanderstoßen, liegt eine Schnittkante. An dieser Kante sitzt draußen nie alles so exakt wie in der Datei. crossvertise schreibt dazu knapp: „Platziere keine Textelemente oder wichtige Produktinhalte auf den Schnittkanten!“
Im Layout sieht man diese Kanten nicht. Ein Preis, ein Gesicht oder ein Logo landet dort deshalb oft ganz zufällig, weil an der Stelle gerade Platz war.
Test in 30 Sekunden: Die Teilung aus dem Datenblatt der Druckerei als Linien über das Motiv legen. Alles, was eine Linie berührt, wandert zur Seite.
3. Ist die Botschaft in zwei Sekunden erfasst?
Laut crossvertise wird ein Plakat im Schnitt zwei Sekunden betrachtet. Der gleiche Ratgeber empfiehlt, den Text auf fünf bis sieben Wörter zu reduzieren und das Produkt groß zu zeigen, mit etwa 40 % der Plakatfläche.
Das sind Richtwerte, keine Gesetze. Sie erklären aber, warum ein Motiv mit Headline, Subline, drei Vorteilen und Störer an der Straße nicht funktioniert. In zwei Sekunden liest niemand vier Textebenen.
Test in 30 Sekunden: Die Wörter auf dem Motiv zählen, Logo und Pflichtangaben ausgenommen. Liegen Sie deutlich über sieben, streichen Sie, bevor die Druckerei es tut.
4. Trägt das Motiv aus der echten Entfernung?
Die meisten Passanten sehen eine Großfläche laut crossvertise aus etwa 50 Metern. Der Ratgeber schlägt dafür einen einfachen Test vor: das Motiv auf DIN A3 ausdrucken, an die Wand hängen und aus etwa fünf Metern ansehen. Dann drei Fragen stellen: Wie ist das gemeint? Was wird gezeigt? Wer steckt dahinter?
Am Bildschirm geht derselbe Test noch schneller. Faustregel aus unserer Praxis: Was auf Handygröße verkleinert noch lesbar ist, trägt auch an der Straße. Für einzelne Zeilen gibt es dafür unseren Lesbarkeits-Check.
Test in 30 Sekunden: Motiv auf Handygröße verkleinern und jemandem zeigen, der es nicht kennt. Kann die Person die drei Fragen beantworten, ist das Motiv fertig.
5. Funktioniert es auch neben der Straße?
Eine Druckdatei zeigt das Motiv auf weißem Grund. Die Großfläche steht aber vor einem Baumarkt, an einer Ausfallstraße oder neben einer zweiten Tafel mit einem anderen Motiv. Ein Motiv in Grau und Grün wirkt im Layout ruhig. Vor einer grauen Hauswand mit Hecke verschwindet es.
Diese Prüfung fehlt in fast jeder Checkliste, weil sie mit der Druckdatei allein nicht geht. Man braucht das Motiv im echten Umfeld.
Test in 30 Sekunden: Das Motiv auf ein Foto einer echten Großfläche legen und das ganze Bild ansehen, nicht nur die Tafel. Springt das Plakat zuerst ins Auge? Wenn nicht, braucht es mehr Kontrast zur Umgebung.
6. Reicht die Zeit bis zur Dekade?
Auch das beste Motiv nützt nichts, wenn es zu spät im Plakatlager liegt. crossvertise rechnet mit etwa einem Monat Vorlauf: Das Plakatlager braucht die Druckdaten rund 10 bis 15 Tage vor dem Aushang, der Druck dauert etwa fünf Werktage. Den Unterlagenschluss nennt der Dienst ein „fest einzuhaltendes Datum“.
Dazu kommen Ersatzplakate für Wetter, Vandalismus und Fehler beim Kleben. crossvertise empfiehlt, etwa 20 % mehr zu drucken als Flächen gebucht sind. Wer das in der Auflage vergisst, steht im Schadensfall mit einer leeren Tafel da.
Test in 30 Sekunden: Vom ersten Tag der Dekade rückwärts rechnen: Lagertermin, fünf Werktage Druck, eine Freigaberunde. Liegt das Ergebnis vor heute, ist jetzt der Moment, mit dem Vermarkter zu sprechen.
Warum Sie dafür keine Montage brauchen
Die Prüfungen 1, 2 und 6 sind Handarbeit mit Datenblatt und Kalender. Daran ändert kein Tool etwas. Die Maße der gängigen Formate finden Sie in unserer Formatdatenbank, dort auch mit einer Vorlage zum Herunterladen.
Für die Prüfungen 3 bis 5 brauchen Sie das Motiv auf einer echten Fläche, und zwar in mehreren Varianten. Mit einer Photoshop-Montage heißt das: jede Variante eine neue Datei. In einer Live-Simulation legen Sie das Motiv auf die Fläche, tauschen den Claim und sehen das Ergebnis sofort. Den Export geben Sie direkt in die Freigabe. So wird aus der Checkliste eine Runde statt drei.
Quellen
- Welches Format hat eine Großfläche? — crossvertise
- Was ist eine Großfläche? — crossvertise
- Wie lege ich das Motiv für eine Großfläche an? — crossvertise
- Wie gestalte ich mein Plakat-Motiv? — crossvertise
- Wieviel Vorlaufzeit sollte ich bei Plakatwerbung berücksichtigen? — crossvertise
- Was ist der Unterlagenschluss? — crossvertise
- Wozu werden Ersatzplakate benötigt? — crossvertise